PV-Gutachten Berlin: Zahlen statt Vermutungen
Ihre Anlage läuft, aber irgendetwas stimmt nicht. Der Ertrag passt nicht zur Prognose, ein Strang verhält sich anders als die übrigen, oder Sie wollen schlicht wissen, in welchem Zustand die Anlage nach zehn Jahren ist. Das Zustandsgutachten beantwortet das mit Messwerten.
Wann dieses Gutachten das richtige ist
Das Zustandsgutachten ist der breiteste der drei Wege. Es beginnt ohne feste Verdachtsdiagnose und arbeitet sich systematisch durch die Anlage. Das ist genau dann sinnvoll, wenn Sie ein Symptom haben, aber keine Ursache.
- Die Jahreserträge liegen spürbar unter der Prognose aus dem Angebot
- Ein Strang oder ein MPP-Tracker liefert dauerhaft weniger als seine Nachbarn
- Die Anlage ist älter als acht bis zehn Jahre und wurde nie messtechnisch geprüft
- Sie wollen vor einer Speicher-Nachrüstung wissen, ob das Bestehende tragfähig ist
- Eine Immobilie mit PV-Anlage soll gekauft, verkauft oder vererbt werden
- Der Versicherer verlangt vor Vertragsabschluss einen Nachweis über den Anlagenzustand
Geht es dagegen um ein konkretes Schadensereignis oder um einen Streit mit dem Errichter, sind das Schadensgutachten beziehungsweise das Mängelgutachten der direktere Weg.
Kurz gefasst
| Anlass | Minderertrag, Alterung, Kauf, Absicherung |
|---|---|
| Vor Ort | 2–4 Std. (EFH), bis 1 Tag (Gewerbe) |
| Bericht | 15–30 Seiten, i. d. R. in 10 Arbeitstagen |
| Messung | Thermografie, IV-Kennlinie, Isolation |
| Gebiet | Berlin und Brandenburg |
| Preis | Festpreis nach Vorgespräch |
Sechs Ebenen, die zusammen ein Bild ergeben
Ein Fehler zeigt sich selten dort, wo man ihn vermutet. Ein Ertragsloch im Sommer kann an einem Modul liegen, an einer Klemme im Generatoranschlusskasten oder an einer Wechselrichter-Einstellung, die seit der Inbetriebnahme nie angefasst wurde.
1. Ertrag und Betriebsdaten
Auswertung der Wechselrichter- und Monitoringdaten über den bisherigen Betrieb, abgeglichen mit einer standortbezogenen Ertragserwartung für Berlin. Erst dieser Abgleich zeigt, ob ein Minderertrag real ist oder ob die Prognose im Angebot zu optimistisch war.
2. Thermografie
Wärmebilder des Modulfelds unter Last. Hotspots, ungleichmäßig warme Zellen, heiß laufende Steckverbinder und Klemmstellen werden lokalisiert und einzeln dokumentiert.
3. IV-Kennlinienmessung
Jeder Strang wird einzeln vermessen. Die Kennlinie verrät, ob ein Modul altersbedingt nachlässt, ob Zellbrüche vorliegen, ob eine Bypass-Diode defekt ist oder ob Teilverschattung die Ursache ist.
4. Isolation und Potentialausgleich
Isolationswiderstand der DC-Leitungen, Durchgangs- und Schutzleiterprüfung, Bewertung von Erdung und Blitzschutzanbindung. Hier finden sich die sicherheitskritischen Punkte, die im Betrieb nie auffallen.
5. Mechanik und Dachanschluss
Unterkonstruktion, Befestigungspunkte, Dachdurchdringungen, Kabelführung und Zugentlastung. Ob eine Leitung über Jahre auf einer Dachpfanne scheuert, entscheidet später über Isolationsfehler und Wassereintritt.
6. Verteilung, Speicher, Wallbox
Zählerschrank, Unterverteilung, Freischaltstellen, Kennzeichnung, Batteriespeicher und Ladeinfrastruktur. Gerade an diesen Schnittstellen entstehen Auslegungsfehler, die niemand im Monitoring sieht.
Was bei solchen Prüfungen zum Vorschein kommt
Aufnahmen aus Begutachtungen und Instandsetzungen. Kein Katalog aus dem Lehrbuch, sondern das, was auf Dächern und in Kellerräumen tatsächlich vorgefunden wurde. Zum Vergrößern anklicken.
So läuft eine Zustandsprüfung
-
Vorgespräch und Angebot
Sie beschreiben Anlage und Symptom. Wir legen den Prüfumfang fest und Sie erhalten ein Festpreisangebot – mit Anfahrt, Messumfang und Berichtstiefe. Keine Position, die später dazukommt.
-
Unterlagen vorab
Angebot, Anlagen- und Strangplan, Inbetriebnahmeprotokoll, Datenblatt der Module, Ertragsdaten aus dem Portal. Alles, was da ist, hilft. Fehlt etwas, halten wir das im Bericht fest – auch das ist ein Befund.
-
Termin vor Ort
Sichtprüfung von Dach bis Zählerschrank, danach die Messreihe. Thermografie nur bei ausreichender Einstrahlung, deshalb sind diese Termine wetterabhängig. Alles wird während der Prüfung fotografiert.
-
Erste Einschätzung am selben Tag
Bevor wir wieder fahren, sagen wir Ihnen, was auffällig war und ob etwas Sofortmaßnahmen erfordert. Sicherheitsrelevante Punkte warten nicht auf den schriftlichen Bericht.
-
Auswertung und Bericht
Messdaten werden aufbereitet, Befunde bewertet, Maßnahmen priorisiert. Das Gutachten erhalten Sie in der Regel innerhalb von zehn Arbeitstagen als PDF, auf Wunsch zusätzlich gedruckt und unterschrieben.
-
Besprechung
Auf Wunsch gehen wir den Bericht gemeinsam durch. Bei Auseinandersetzungen mit Errichter oder Versicherung klären wir dabei auch, welche Formulierung Sie für Ihr Anschreiben brauchen.
Warum die Ertragsprognose in Berlin oft nicht hält
Berlin liegt bei etwa 1.000 bis 1.080 Kilowattstunden Globalstrahlung je Quadratmeter und Jahr – spürbar weniger als Süddeutschland. Wer eine Anlage mit einer Prognose gekauft hat, die auf bundesdeutschen Mittelwerten oder gar auf Werten aus Bayern beruht, hat schon am Tag der Inbetriebnahme ein Ertragsloch, ganz ohne technischen Fehler.
Dazu kommen die typischen Berliner Randbedingungen: enge Bebauung mit Verschattung durch Nachbargebäude, Bestandsdächer mit ungünstiger Ausrichtung und Ost-West-Belegungen, bei denen die Auslegung des Wechselrichters über Erfolg oder Enttäuschung entscheidet.
Deshalb steht am Anfang jeder Ertragsbewertung ein sauberer Soll-Ist-Vergleich mit standortbezogenen Daten. Erst wenn feststeht, dass der Ertrag auch nach dieser Korrektur zu niedrig ist, wird die Anlage nach technischen Ursachen durchsucht.
Häufigste Ursachen für Minderertrag
- Zu optimistische Prognose im ursprünglichen Angebot
- Verschattung, die bei der Planung nicht berücksichtigt wurde
- Strangaufteilung passt nicht zur Verschattungssituation
- Wechselrichter-Einstellung seit Inbetriebnahme unverändert
- Verschmutzung, Moos und Laub an der Modulunterkante
- Einzelne Module mit Zellbruch oder defekter Bypass-Diode
- Übergänge und Klemmstellen mit erhöhtem Widerstand
- PID-Effekt bei älteren Modulen ohne PID-Schutz
Bevor Sie anrufen
Wie lange dauert die Prüfung vor Ort?
Bei einer Aufdachanlage am Einfamilienhaus zwischen zwei und vier Stunden. Bei Gewerbedächern mit mehreren Wechselrichtern und vielen Strängen kann daraus ein ganzer Tag werden, weil jeder Strang einzeln gemessen wird.
Muss ich beim Termin anwesend sein?
Zu Beginn ist es hilfreich, weil Sie die Vorgeschichte kennen und den Zugang zu Dach, Zählerschrank und Wechselrichter öffnen. Danach können Sie Ihren Tag weiterführen. Am Ende gehen wir die erste Einschätzung gemeinsam durch.
Brauche ich für die Thermografie einen sonnigen Tag?
Für aussagekräftige Thermografie an Modulen brauchen wir eine Mindesteinstrahlung, in der Regel ab etwa 600 W/m². Deshalb legen wir solche Termine wetterabhängig und meist zwischen spätem Vormittag und Nachmittag.
Messungen an Verteilung, Wechselrichter und Verkabelung sind davon unabhängig. Wenn das Wetter am Termintag nicht mitspielt, holen wir den Modulteil nach, ohne dass dafür ein zweiter Auftrag nötig wird.
Muss die Anlage für die Messung abgeschaltet werden?
Teilweise ja. Isolations- und Kennlinienmessungen erfordern, dass einzelne Stränge freigeschaltet werden. Das betrifft immer nur den gerade gemessenen Teil und dauert je Strang wenige Minuten. Die Anlage läuft danach unverändert weiter.
Bekomme ich auch eine Aussage zur Restlebensdauer?
Zu einer belastbaren Restlebensdauer gehört mehr als eine Momentaufnahme. Was wir liefern: den heutigen Leistungsstand je Strang im Vergleich zu den Herstellerangaben, die erkennbare Degradation, den Zustand der Komponenten mit begrenzter Lebensdauer – Wechselrichter, Speicher, Steckverbinder – und daraus eine begründete Einschätzung, womit in den nächsten Jahren zu rechnen ist.
Sagen Sie uns, was Ihre Anlage tut – und was sie tun sollte
Zehn Minuten am Telefon reichen meist, um einzuordnen, ob und in welcher Tiefe ein Gutachten weiterhilft.